Die Städtli-Kicker dominieren im letzten Heimspiel der Saison ihren Gegner nach Belieben. Die Entscheidung im Spiel fällt früh, nicht aber die über den Aufsteiger. Dieser kommt am Samstag aus. Die Zurzibieter werden aus der Pole Position ins Rennen gehen.

Danijel Kovacevic sitzt auf der Trainerbank, ist in seinen Gedanken versunken. Eben erst ist das letzte Heimspiel für ihn als Klingnau-Trainer zu Ende gegangen. Er hat seine Mannschaft zum Sieg gecoacht, mit viel Engagement und Enthusiasmus. So, wie er es immer getan hatte in den letzten zweieinhalb Jahren. Verrückt, wie schnell die Zeit vergeht. Ein bisschen wehmütig blickt er über das Spielfeld, überaus froh, das letzte Heimspiel erfolgreich abgeschlossen zu haben. Kovacevic sagt: «Ich bin zufrieden. Am Samstag wollen wir es vollenden.»

Gibt auch im letzten Heimspiel als Klingnau-Trainer alles: Danijel Kovacevic. (Bild: A. Crippa)

Diese Vollendung meint: Den Aufstieg in die 2. Liga interregional schaffen. Nach dem diskussionslosen 7:2-Sieg ist der FC Klingnau weiterhin auf dem ersten Platz, Verfolger Kölliken konnte sein Gastspiel beim bereits als Absteiger feststehenden FC Mellingen mit 0:2 für sich entscheiden und sich somit die Chance auf den Aufstieg ebenfalls offen halten.

Unglücklicher Gäste-Goalie

Zum Spiel auf dem Sportplatz Grie: Es lief die dritte Minute, als Nexhdet Gusturanaj auf der rechten Seite Arbnor Gjokaj lancierte und dieser pfeilschnell an seinem Gegenspieler vorbeizog. Sein Querpass fand Shqiprim Thaqaj in der Mitte, der nur noch einzuschieben brauchte. Der Favorit führte früh mit 1:0.

In der Folge wog das Spiel hin und her, zu zwingenden Torchancen kam fortan keine der beiden Mannschaften. Niederwil hatte vor allem damit zu kämpfen, dass keine zündenden Ideen vorhanden waren oder der letzte Pass nicht den richtigen Abnehmer fanden. Ein erstes Mal gefährlich für das Tor von Beytullah Köroglu wurde es erst in der 27. Minute, als Andreas Habegger mit einem Fernschuss für etwas Aufregung sorgen konnte. Praktisch im Gegenzug fiel in der 28. Minute das 2:0. Arbnor Gjokaj bewies Übersicht, spielte Besnik Golaj an, der den Ball an Polat Günes weiterleitete. Günes zog aus 18 Metern ab, sein Flachschuss flutschte Niederwil-Goalie Simon Zimmermann zwischen den Händen und Beinen hindurch ins Netz.

Rennas Traumtor

Noch vor der Pause erhöhte Shqiprim Thaqaj auf 3:0 und führte somit die Vorentscheidung herbei. Er wurde von Besnik Golaj wunderbar lanciert und spielte dann den gegnerischen Schlussmann gekonnt aus, danach schloss er überlegt und ohne Probleme ab. Dies war auch das Pausenresultat.

Wer nach dem Tee auf eine Reaktion der Gäste aus dem Freiamt gehofft hatte, wurde enttäuscht. Bereits nach zwei Minuten in der zweiten Hälfte lancierte Gusturanaj seinen Sturmpartner Thaqaj, der wiederum alleine auf Niederwil-Goalie Zimmermann loszog. Wiederum war Thaqaj der Gewinner des Duells und erzielte damit bereits seinen dritten Treffer an diesem Abend.

Den mit Abstand schönsten Treffer war derjenige von Alessandro Renna zum 5:0 in der 58. Minute. Nach einem Einwurf kam er etwas mehr als 20 Meter vor dem Tor an den Ball und versenkte diesem mit viel Gefühl im rechten oberen Toreck. Sein zweiter Saisontreffer war wie schon der erste ein echter Zungenschnalzer.

Alessandro Renna (links) erzielte ein Traumtor. (Bild: A. Crippa)

Torreiche Schlussphase

Nach einer knappen Stunde war die Partie damit endgültig entschieden, das Spiel plätscherte ein wenig vor sich hin. Immer wieder wurden die schnellen Klingnauer Stürmer in die Tiefe geschickt, mehrmals wurden sie aber aus dem Offside zurückgepfiffen. In der 81. Minute erhöhte das Heimteam auf 6:0. Golajs Steilpass erreichte Gusturanaj, der im Strafraum seine Gegenspieler austanzte und Thaqaj bediente. Erneut brauchte dieser nur noch einzuschieben.

Die Schlussphase war noch einmal reich an Torszenen, Niederwil erzielte in der 85. Minute den Ehrentreffer. Nach einer gefälligen Kombination kam Captain Noah Schwegler aus guter Position zu Abschluss und verwandelte souverän mit dem Innenrist.

Shqiprim Thaqaj erzielte sensationelle fünf Tore und ist nun Leader in der Torschützenliste. (Bild: A. Crippa)

Drei Minuten später durfte sich Shqiprim Thaqaj ein fünftes Mal als Torschütze feiern lassen. Nach einem starken Schuss von Arbnor Gjokaj aus dem Hinterhalt, gab es einen Abpraller. Thaqaj stand goldrichtig und schoss damit sein 29. Saisontor. Das könnte allenfalls gar zum Titel des Torschützenkönigs reichen. Den Schlusspunkt setzten dann die Gäste mit dem 7:2, was aber nicht mehr als Resultatkosmetik war. Nach einem Querpass von Dives Ambrozzo stand Joel Rey am richtigen Ort und sorgte für den Endstand. Doch zu mehr reichte es nicht mehr, Klingnau feierte einen ungefährdeten Sieg, die Taktik von Kovacevic ging voll auf. Arbnor Gjokaj meinte nach dem Spiel: „Heute haben wir nichts dem Zufall überlassen.“

Ein wichtiger Punkt fehlt

Die Ausgangslage für das letzte Spiel ist nun klar: Dem FC Klingnau reicht ein Punkt für den Aufstieg. Aufgrund der vielen Strafpunkte Köllikens, die bei Punktgleichheit als erstes beachtet werden, könnten die Städtli-Kicker dann nicht mehr eingeholt werden. Allerdings spielen die Kölliker ihr letztes Spiel zuhause gegen den Absteiger aus Aarau. Es darf also davon ausgegangen werden, dass sie ihre Pflicht erfüllen. Der FC Klingnau gastiert am Samstag derweil zeitgleich beim FC Lenzburg (17:00 Uhr). Der momentane Achte will seinen Platz im Mittelfeld sicherlich nicht preisgeben und wird noch einmal alles in die Waagschalte werfen, um zu siegen. Der FC Klingnau ist aber in Form, hat in den letzten zehn Spielen neunmal gewonnen. Allerdings braucht es noch einmal eine starke Leistung, um diesen einen so wichtigen Punkt nach Hause zu bringen und dann den Aufstieg feiern zu können. Es wäre der perfekte Abschluss für den scheidenden Trainer Kovacevic, der dann sicher noch einmal wehmütig auf den Rasen schauen würde, aber umso glücklicher wäre, das fast Unmögliche noch möglich gemacht zu haben.

FC Klingnau: Köroglu; Gjokaj, Maloki, Jelec, Kabashaj (71. Georg); Shabani, Renna (65. Tafaj), Golaj, Günes (57. Bicvic); Gusturanaj, Thaqaj.